Gras mit Blümchen

Ein Leben in Steno (Lesezeit 1’30“)

Steno= die Abkürzung für Stenographie (Kurzschrift). Ich habe das sogar einmal gelernt, aber auch wieder verlernt. Wenn ich so darüber nachdenke, erinnere ich mich an kein einziges Kürzel mehr, was sicherlich auch daran liegen mag, dass ich es zwar gelernt, aber nicht regelmäßig angewendet habe. Doch dieser letzte entscheidende Schritt des Anwendens und Tuns ist nun einmal Grundvoraussetzung für Erfolg, egal in welchem Bereich. Diese Erfahrung durfte ich des öfteren in meinem Leben machen. In beide Richtungen versteht sich, denn in Steno war ich nie so erfolgreich, wie zum Beispiel in meinen Trainings. Der erste Schritt ist jedoch das Aneignen von Wissen, die Basis und notwendig, wenn ich mein Leben verändern möchte. Insbesondere in der heutigen schnelllebigen Zeit. Wie ich darauf komme: Vor kurzem hatte eine meiner Töchter einen jungen Mann zu Besuch. Meine mütterliche Neugier bezüglich des jungen Mannes wurde von meiner Tochter mit den Worten: „Das ist doch nur mein BFF“ abgetan. Aha. Ich fragte nach und habe erfahren, dass dies „Best friend forever“ heißt. Wieder ein neues Kürzel. Wissen sie was ein MoF ist? Ein Mensch ohne Freunde. Mein Wissen an gesprochenem Steno der heutigen Zeit nimmt zu. Manchmal stelle ich mir jedoch vor, wie sich das wohl anhören würde, wenn wir nur noch in Kürzeln reden.

„MoFBFFKoFBtW….“ Vermutlich auch nur wieder Übungssache. Doch damit möchte ich eigentlich garnicht erst anfangen, bin ich doch gerade dabei mein Leben wieder etwas zu entschleunigen. Denn ein Leben in Steno kann schon sehr anstrengend sein, vor allem fehlt mir da die Zeit, um an den Blumen am Wegesrand zu riechen, Bücher zu schreiben und eben zu bloggen. Leben im Einklang halt. Und genau das wünsche ich ihnen auch.

Ihre Petra Claußen-Winter

Text im raum IV

Neues wagen (Lesezeit 2’00“)

„Wer wagt gewinnt“ so der Volksmund. Auch wenn sicherlich nicht jeder gewinnt, der sich wagt, so haben alle, die gewonnen haben, sich auch gewagt. Zum Beispiel etwas zu tun, was es zuvor nicht gab, Neues zu wagen, Ideen zu verwirklichen, Unmögliches möglich zu machen. So auch Hermann Scherer mit seiner 1. internationalen Autorenmesse am 04. Juni 2016. 1.300 begeisterte Besucher, inspirierende Vorträge, eine tolle Atmosphäre. Ich war mit dabei. Auch für mich ein Wagnis, etwas Neues auszuprobieren. Mit meinem Vortrag „Lebendig schreiben – Schreiben mehr als nur ein Broterwerb“ durfte ich aufzeigen, dass Schreiben ein Werkzeug sein kann, das in der Tat weit über den Broterwerb hinaus geht. Schreiben hat mein Leben auf recht vielfältige Weise verändert. Es hat mir über für mich schwere Zeiten in meinem Leben hinweggeholfen. Wo manch einer zum Glas Wein, der Flasche Bier oder gar zu Drogen greift, oder sich anderweitig ablenkt, nehme ich den Stift in die Hand und schreibe. Und in solchen Momenten ist es auch der Stift und nicht die Tastatur. Ich bin dann alleine mit mir und meinen Gedanken und einem leeren Stück Papier. Zunächst lasse ich das Alte hinaus, schreibe es mir wahrlich von der Seele. Danach ist Raum für neues geschaffen, das Leben mag kein Vakuum, zumindest nicht in meinem Model von Welt. Auf diese Weise hat sich schon so manche Idee zum ersten Male gezeigt und plötzlich war es mir nicht mehr so schwer ums Herz. Meine Bereitschaft, auch in diesem Lebensumstand die Möglichkeit für etwas Neues zu sehen wuchs, der Schmerz wurde kleiner und die Kraft kam zurück. Gestärkt konnte ich es in der Tat wagen, neue Gedanken zuzulassen, lösungsorientiert und so taten sich dann auch neue Wege auf. Natürlich musste ich diese auch gehen, aber ich sah sozusagen am Ende des Tunnels wieder Licht und nur dass wir uns richtig verstehen, es waren nicht die Lampen des mir entgegenkommenen Zuges. Im Gegenteil, es war das berühmte Lichtlein, dass von „irgendwo“ herkommt. In meinem Falle durch das kreative Schreiben.

Und so wage ich es immer wieder, das Schreiben auch unter Umständen, in denen ein Teil von mir sich am liebsten die Decke über den Kopf ziehen würde, mit einem Überangebot an Schokolade versteht sich. Und mal ganz unter uns, soweit das hier überhaupt möglich ist. Vielleicht stellen sie sich jetzt einfach einmal vor, ich würde es nur ihnen sagen: Manchmal darf auch das sein. Immerhin macht uns das ja als Menschen aus. Allerdings sollten wir uns da nicht solange aufhalten. In diesem Sinne – gute Gedanken oder eine wirklich gute Schokolade und kuschelige Bettdecke. Oder eben beides, richtig angewandt, sicherlich auch ein Erfolgsgarant. Das reimt sich sogar.

Ihre Petra Claußen-Winter